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Überschuldungszunahme bei jungen Erwachsenen und Senioren
9,38 Prozent aller
erwachsenen Deutschen über 18 Jahre sind zum Stichtag 01. Oktober 2011
überschuldet und weisen nachhaltige Zahlungsstörungen auf (2010: 9,50
Prozent). Die Zahl der überschuldeten Personen hat sich 2011 gegenüber
dem Vorjahr um rund 80.000 auf bundesweit 6,41 Millionen Betroffene
verringert (minus 1,3 Prozent). Positiv auf die Verschuldungssituation
der Verbraucher in Deutschland hat sich die gute Konjunktur- und
Arbeitsmarktentwicklung der letzten zwölf Monate ausgewirkt. Durch die
Aufnahme einer Erwerbsarbeit konnten überschuldete Personen ihrem
Schuldendienst wieder nachkommen und Verbindlichkeiten abbauen.
Überschuldung liegt vor, wenn ein Schuldner die Summe seiner fälligen
Zahlungsverpflichtungen auch in ab-sehbarer Zeit nicht begleichen kann
und ihm weder Vermögen noch andere Kreditmöglichkeiten zur Verfügung
stehen. Als die vier Hauptursachen für Überschuldungsprozesse gelten
Arbeitslosigkeit, Trennung vom Lebenspartner, Krankheit und das
Konsumverhalten.
Bis auf Baden-Württemberg ist 2011 in allen Bundesländern eine Abnahme
der privaten Überschuldung zu verzeichnen. Überdurchschnittlich stark
fiel der Rückgang in Bremen (minus 0,65 Prozentpunkte auf 13,48
Prozent), in Hamburg (minus 0,44 Prozentpunkte auf 10,46 Prozent) und in
Berlin (minus 0,35 Prozentpunkte auf 12,32 Prozent) aus. Das Land
Bremen bleibt aber Negativspitzenreiter mit der höchsten Schuldnerquote
der 16 Bundesländer, gefolgt von Berlin und Sachsen-Anhalt. Die
geringsten Schuldnerquoten verzeichnen Bayern (6,88 Prozent; minus 0,18
Prozentpunkte), Baden-Württemberg (7,50 Prozent; plus 0,04
Prozentpunkte) und Sachsen (8,26 Prozent; minus 0,11 Prozentpunkte).
Unter den besten fünf Ländern mit der geringsten
Verbraucherüberschuldung befinden sich neben dem Freistaat Sachsen auch
die ostdeutschen Länder Thüringen und Brandenburg. Aufgrund von
Konsumverzicht und einer vorsichtigeren Kreditnutzung der Verbraucher
liegt die Schuldnerquote im Osten Deutschlands seit drei Jahren unter
der Quote Westdeutschlands.
Zunahme bei Männern, jungen Erwachsenen und Senioren
Die Überschuldungsproblematik hat sich 2011 in der Gesamtbevölkerung
zwar entschärft, allerdings ist ein Rückgang der überschuldeten Personen
allein bei weiblichen Schuldnern festzustellen. Während die Zahl der
Männer in Überschuldungsprozessen um 1,2 Prozent auf 4,10 Millionen
Personen zunahm, sank die Zahl der betroffenen Frauen um 5,3 Prozent auf
2,31 Millionen. Knapp zwei Drittel aller überschuldeten Deutschen (64,0
Prozent; Vorjahr: 62,4 Prozent) sind demnach männlichen Geschlechts,
auch weil Männer bei der Übernahme finanzieller Verpflichtungen als
risikobereiter gelten. Gleichwohl zeigt sich in einer längerfristigen
Perspektive, dass auch Frauen zunehmend finanzielle Risiken eingehen und
in die Schuldenfalle geraten. So liegt die Zahl der überschuldeten
Frauen aktuell um rund 220.000 Personen höher als 2004 (Männer: minus
350.000).
Stabil ist der Trend des Vorjahres, wonach Überschuldung jünger wird.
Zwar weisen Personen der Altersgruppe 40 bis 49 Jahre mit 12,66 Prozent
weiterhin die höchste Schuldnerquote auf, allerdings sind hier relativ
gesehen weniger Personen betroffen als 2010 (13,29 Prozent). Anders
verlief die Entwicklung bei jungen Erwachsenen im Alter zwischen 20 und
29 Jahren und in der Altersgruppe der unter 20-Jährigen. So ist
mittlerweile mehr als ein Viertel (26,3 Prozent) der überschuldeten
Personen jünger als 30 Jahre. In der Altersgruppe der 20 bis 29-Jährigen
stieg die Schuldnerquote auf 11,35 Prozent (Vorjahr: 10,75 Prozent).
Viele der Betroffenen dürften ihr Leben lang unter der frühen
Überschuldung leiden. Auch bei jungen Erwachsenen (18 und 19 Jahre) ist
gegenüber dem Vorjahr ein besorgniserregender Anstieg zu verzeichnen
(Schuldnerquote: 1,92 Prozent; Vorjahr: 1,53 Prozent). Mehr
überschuldete Personen wurden zudem in der Altersgruppe ab 70 Jahre
gezählt. Die Schuldnerquote bleibt in diesem Personenkreis mit 0,87
Prozent (Vorjahr: 0,81 Prozent) aber stark unterdurchschnittlich.
Die Zahl der überschuldeten deutschen Verbraucher liegt derzeit um knapp
eine Million niedriger als im Jahr 2007. Dabei ist eine Entspannung
vornehmlich bei Personen mit so genannten weichen Überschuldungsfaktoren
festzustellen, deren Überschuldungssituation noch nicht aussichtslos
ist, die aber bereits nachhaltige Zahlungsstörungen aufweisen.
Gleichzeitig hat sich eine konjunkturunabhängige Sockelüberschuldung von
Personen mit zahlreichen gerichtlichen Negativmerkmalen (wie z. B. eine
eidesstattliche Versicherung oder eine Privatinsolvenz) herausgebildet.
Der Trend einer zunehmenden strukturellen Überschuldung hat sich somit
2011 fortgesetzt. So hat sich die Zahl der Betroffenen gegenüber dem
Vorjahr um 2,5 Prozent auf 3,70 Millionen erhöht, während die Zahl der
Personen mit weichen Überschuldungsmerkmalen um 6,0 Prozent auf 2,71
Millionen zurückging. Von den guten Arbeitsmarktbedingungen konnten
demnach vornehmlich Schuldner aus letzterer Gruppe profitieren.
Überschuldungstrends im Zeichen einer abkühlenden Konjunktur
Für das kommende Jahr ist weiterhin mit günstigen Bedingungen auf dem
Arbeitsmarkt und gleichzeitig mit einer Verbesserung der
Einkommenssituation der Verbraucher zu rechnen. Zudem sind aufgrund der
„Inflation der Krisen“ bei den deutschen Verbrauchern eine zunehmende
Sensibilisierung und Ausgabenvorsicht festzustellen. Allerdings mehren
sich hierzulande auch die Überschuldungsrisiken. Neben einer sich
abzeichnenden konjunkturellen Eintrübung dürften der Anstieg atypischer
Beschäftigungsverhältnisse und die im Wirtschaftsaufschwung
eingegangenen finanziellen Verpflichtungen die Überschuldungsproblematik
der Verbraucher in den kommenden zwei Jahren belasten. So ist davon
auszugehen, dass sich die bestehende Sockelüberschuldung weiter
verfestigen wird. Eine deutliche Rückführung der Zahl der überschuldeten
Verbraucher ist vor diesem Hintergrund nicht zu erwarten.
Die Schuldnerquoten für Gotha und Umgebung:
Schuldnerquoten in %
Kreise und Kreisfreie Städte
|
2005
|
2006
|
2007
|
2008 |
2009 |
2010
|
2011
|
| Eichsfeld |
6,62
|
6,80
|
6,85
|
6,12 |
5,55 |
5,77 |
5,73 |
Eisenach, Stadt
|
12,75
|
13,05
|
13,22
|
11,59 |
10,52 |
11,09 |
11,03 |
Gotha
|
10,61
|
10,53
|
10,84
|
9,96 |
8,78 |
9,25 |
9,21 |
Kyffhäuserkreis
|
11,84
|
12,26
|
12,64
|
10,82 |
9,42 |
10,01 |
10,02 |
Nordhausen
|
10,69
|
11,00
|
11,23
|
9,89 |
8,43 |
8,82 |
8,62 |
Wartburgkreis
|
8,96
|
9,07
|
9,33
|
8,47 |
7,34 |
7,58 |
7,41 |
Weitere Informationen zum Thema
Internetseite: www.schuldneratlas.de
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